Handys: Überall und immer erreichbar. Mobiltelefone entwickeln sich zu multimedialen Alleskönnern.
Ein Handy ist...
Das Telefonieren mit einem Handy funktioniert wie bei einem klassischen Telefon durch Wählen der Nummer des gewünschten Gesprächspartners. Das Zustandekommen der Verbindung ist allerdings vom Funkempfang abhängig, weshalb Handy-Telefonate in sogenannten Funklöchern wie beispielsweise Tunneln manchmal mangels Übertragungsmöglichkeit abbrechen. In Europa basieren Handys derzeit auf dem GSM-Standard und benutzen Frequenzen um 900 MHz (D-Netz) beziehungsweise 1800 MHz (E-Netz).Triband-Handys funktionieren zusätzlich im Bereich 1900 MHz oder 850 MHz (hauptsächlich in den USA genutzt). Quadband-Handys verwenden alle vier Frequenzen.
Ursprung
Bereits 1958 gab es in Deutschland die ersten "Handys": Autotelefone, die aufgrund der für die Funktechnik verwendeten Vakuumröhren recht groß ausfielen und deren Benutzung selbst für kurze Gespräche Unsummen kostete. 1985 startete das kleinzellige analoge C-Netz in Deutschland. Die geringere Sendeleistung ließ die tragbaren Telefone schon etwas kleiner ausfallen. Durch die Einführung flächendeckender digitaler Mobilfunknetze Ende der 80er Jahre konnte die benötigte Batterieleistung der Mobiltelefone und damit auch deren Größe erneut vermindert werden. 1992 wurde das erste Mobilgerät mit aktuellem GSM-Standard von Motorola vorgestellt.
Als gängige Bezeichnung für die neuen GSM-Mobiltelefone bürgerte sich ab etwa 1992 in der deutschen Umgangssprache der Begriff „Handy“ ein. Zur Entstehung gibt es keine klare Ableitung. Das Wort stammt wohl vom englischen Adjektiv für "handlich". Im englischsprachigen Raum selbst nennt man das Mobiltelefon allerdings "cell(ular) phone", "mobile phone" oder "portable". Anfangs noch als exklusives Accessoire für Geschäftsleute, Reiche und Prominente betrachtet, sind heute Handys durch alle Bevölkerungsschichten und Altersstufen weit verbreitet.
Hardware
Genau wie ein herkömmliches Telefon besteht das Handy aus einem Lautsprecher, einem Mikrofon, einer Tastatur und einer digitalen Anzeige. Zusätzlich verfügt es oft noch über Menütasten oder einen Mini-Controller sowie notwendigerweise über die Funkeinheit aus Sendeempfänger und Antenne und einem Akku für die eigene Stromversorgung unterwegs.
Die SIM-Karte
Für den Betrieb ist eine SIM-Karte notwendig, die gleichermaßen der Identifizierung im Mobilfunknetz wie der Kostenabrechnung dient. Bei der SIM-Karte wird zwischen Prepaid-Karten mit einem aufladbaren Guthaben ohne Vertragsbindung und einer Vertragsbindung unterschieden. Bei einer meist 24-monatigen Vertragsbindung stellt der Anbieter in der Regel ein „subventioniertes“ Handy zur Verfügung, dessen Anschaffungspreis über die monatlichen Kosten verrechnet wird. Bei der Prepaid-Karte wird eigentlich nur die Karte zum Betrieb eines Mobiltelefons verkauft. Mittlerweile bietet der Handel aber längst Prepaid-Pakete mit einem beiliegenden Handy an.
Mit dem sogenannten SIM-Lock binden Mobilfunkbetreiber ihre Kunden an eine bestimmte Vertragsform. Ein mit SIM-Lock versehenes Mobiltelefon ist nur mit der beim Kauf des Telefons mitgelieferten SIM-Karte verwendbar. Das Mobiltelefon kann somit mit keiner anderen SIM-Karte, auch nicht mit einer SIM-Karte desselben Netzbetreibers, betrieben werden. Nur so wird eine klare Bindung des Kunden an die Vertragskonditionen gewährleistet, was für die Subvention der Gerätekosten wichtig ist. Üblicherweise kann das SIM-Lock nach Ablauf von zwei Jahren kostenlos oder innerhalb dieser Frist gegen Zahlung einer Gebühr deaktiviert werden.
Unabhängig davon ist in Deutschland der Notruf 112 kostenlos mit jedem Mobiltelefon erreichbar. Seit dem 1.Juli 2009 muss dazu aber eine SIM-Karte im Handy eingelegt sein. Deutschland setzt damit eine EU-Richtlinie um, welche den Missbrauch von Notrufnummern verhindern soll.
SMS
Eine äußerst beliebte Handyfunktion ist das Versenden und Empfangen von kurzen Textmitteilungen, sogenannten SMS. Maximal 160 Zeichen sind beim "Short Message Service" für eine Nachricht vorgesehen. Ursprünglich als reine Nebenfunktion kostenlos angeboten, entwickelten sich SMS zum Hauptertragsbringer für die Netzbetreiber. Allein im Jahr 2003 wurden in Europa über 16 Milliarden Kurzmitteilungen pro Monat versendet. Für Gehörlose oder Schwerhörige bieten SMS zudem die einzige Möglichkeit, ein Mobiltelefon zu benutzen.
MMS
Eine Weiterentwicklung von SMS sind MMS (Multimedia Messaging Service), mit denen neben Text auch Ton-, Bild-und Videodateien verschickt werden können. Für das Empfangen und Versenden von MMS muss ein Handy andere Übertragungsprotokolle als für SMS unterstützen. Nicht jedes SMS-fähige Handy kann daher auch MMS empfangen. Einige Netzbetreiber bieten deswegen den Abruf von MMS über das Internet an. Als weitere Standardausrüstung von Handys haben sich mittlerweile digitale Kameras etabliert.
Das Handy als Digitalkamera
1999 brachte Toshiba das erste Mobiltelefon mit integrierter Digitalkamera auf den japanischen Markt, seit 2002 verfügen fast alle Mobiltelefone über eine Fotofunktion. Die Aufnahmequalität wird seitdem beständig verbessert. Während die integrierten Kameras anfangs noch mit dem eher bescheidenen VGA-Aufnahmemodus arbeiteten, verfügen manche Handys inzwischen über 8-Megapixel-Cams mit Blitzlicht und Mehrfach-Zoom. Manche Hersteller bieten mittlerweile aufs Fotografieren spezialisierte Kamerahandys an. Auch Videofilmen ist die digitalen Kameras in Mobiltelefonen längst kein Problem mehr. Die fotografierten Bilder und aufgenommenen Mini-Filme werden im Mobiltelefon gespeichert und können bei entsprechender Ausstattung per MMS, E-Mail, Infrarot, Bluetooth oder USB-Kabel auf ein anderes Mobiltelefon oder einen PC übertragen werden.
Selbst für Handys mit integriertem MP3-Player hat sich eine eigene Sparte auf dem Mobilfunkgerätemarkt etabliert.
Design
Die Formvielfalt von Handys ist nahezu unbegrenzt: Vom Klassiker in eckiger Schokoriegel-Form (Candybar) über die sehr beliebten Klapphandys (Folder/Clam-Shell), Varianten mit horizontalem Drehgelenk, Slider, bei denen Display und Bedientasten vertikal über die Wähltasten hochgeschoben werden, bis hin zum Touch Phone mit berührungsempfindlichem Touchscreen-Display.
Entwicklung
Die Entwicklung der Handys geht immer mehr in Richtung Multifunktionsgeräte mit kompletter Internet-Anbindung über
W-Lan oder UMTS, IP-Telefonie, Kamera, MP3-Player, Navigationsgerät und Spielkonsole. Für diese Handy-Allrounder haben sich die Bezeichnungen Smartphone oder auch PDA durchgesetzt.
Das iPhone von Apple hat zudem Maßstäbe in der Bedienung über eine berührungsempfindliche Bedienungsoberfläche gesetzt, die viele Hersteller übernommen und weiterentwickelt haben.
Nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Verwendung als mobiler Mini-Computer haben sich zwei neue Übertragungsprotokolle bzw. Funknetze etabliert: UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) als Weiterentwicklung von GSM und der Standard CDMA2000, der hauptsächlich in den USA verbreitet ist. Beide arbeiten auf Frequenzen um 1800 bis 1900 MHz, benutzen aber diverse kleine Funkzellen und sind so für höhere Datenübertragungsgeschwindigkeit und eine höhere Nutzeranzahl optimiert.
Probleme bei der Handynutzung
Die zunehmende Benutzung von Handys in der Öffentlichkeit ist allerdings nicht immer erwünscht. Die Benutzung eines Mobiltelefons beim Autofahren ohne Freisprecheinrichtung ist in Deutschland verboten und wird mit einem Bußgeld bestraft. Auch im Flugzeug ist die Benutzung während des Flugs strengstens untersagt, da hierdurch die Bordelektronik gestört werden kann. Im Restaurant oder Kino gilt das Telefonieren mit einem Handy als extrem unhöflich. In der Kirche oder im Krankenhaus sollte auf Anrufe ebenfalls unbedingt verzichtet werden.