Was ist die Golden Hour und wie fotografiere ich sie?

MediaMagazin-Redaktion16. SEPTEMBER 2026
Die Silhouette einer Frau, die sich eine Kamera ans Auge hält vor einem orange-roten Sonnenuntergang.

Foto: KinoMasterskaya/Shutterstock

Was ist die Golden Hour und warum ist sie bei Fotografen so beliebt? Erfahre, wann sie stattfindet und wie dir mit Kamera oder Smartphone tolle Fotos gelingen.

🕑 Lesedauer: 7 Minuten

Was ist die Golden Hour?

Als Golden Hour bezeichnet man in der Fotografie jene Zeit, in der die Sonne tief am Himmel steht und die Landschaft in warme Gold-, Orange- und Rottöne taucht. Gleichzeitig entstehen lange Schatten und weiche Kontraste, die Motive besonders plastisch und stimmungsvoll wirken lassen. Ihren Namen solltest du übrigens nicht zu wörtlich nehmen. Wie lange die Goldene Stunde tatsächlich dauert, hängt unter anderem von der Jahreszeit und deinem Standort ab. Manchmal bleiben dir nur wenige Minuten mit dem gewünschten Licht, an anderen Tagen deutlich länger. Gerade der wirklich kurze Zeitraum und die sich ständig verändernden Lichtstimmungen machen die Golden Hour für Fotografen so interessant. Wir erklären dir in diesem Ratgeber, wie du sie am besten für Fotos nutzt.

Wann ist die Golden Hour?

Wenn Fotografen von der Golden Hour, also der Goldenen Stunde, sprechen, dann meinen sie damit eine kurze Zeitspanne nach Sonnenaufgang beziehungsweise kurz vor Sonnenuntergang. Allerdings ist damit nicht wirklich eine ganze Stunde gemeint, denn wie lange diese besondere Lichtstimmung anhält, richtet sich nach Faktoren wie dem eigenen Standort oder der Jahreszeit. Auch das Wetter kann beeinflussen, wie intensiv du die Golden Hour wahrnimmst, denn Wolken oder Nebel verändern beispielsweise das Licht. Selbst Luftverschmutzung kann sich auf die Farbe und Intensität des Sonnenlichts auswirken.

Was ist der Unterschied zwischen Golden Hour und Blue Hour?

Golden Hour und Blue Hour treten beide rund um Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf, unterscheiden sich aber vor allem durch ihre Farben. Während die Golden Hour von warmen Gelb-, Orange- und Rottönen geprägt ist, herrschen während der Blue Hour kühle Blau- und Violetttöne vor. Die Sonne befindet sich zu diesem Zeitpunkt bereits unterhalb des Horizonts, sodass kein direktes Sonnenlicht mehr auf die Landschaft fällt. Am Morgen findet zuerst die Blue Hour statt, gefolgt von der Golden Hour nach Sonnenaufgang. Am Abend ist die Reihenfolge umgekehrt. Durch ihr kühleres, gleichmäßiges Licht eignet sich die Blue Hour besonders für Stadtansichten und Motive mit künstlicher Beleuchtung.

: Silhouette eines Fotografen, der vor einer Kamera auf einem Stativ kniet. Dahinter leuchtet ein durch die untergehende Sonne oranger Himmel.

Foto: IZZ HAZEL/Shutterstock

Was macht die Golden Hour so besonders für Fotografen?

Ein Foto wird nicht nur durch das Motiv bestimmt, sondern auch durch die Lichtstimmung, die es umgibt. Eine ganz besondere ist die Golden Hour. Zu dieser Zeit steht die Sonne tief am Himmel und ihr Licht trifft in einem flacheren Winkel auf die Erde. Dadurch legt das Sonnenlicht einen längeren Weg durch die Atmosphäre zurück und erscheint wärmer als zur Mittagszeit. Vor allem warme Rot-, Orange- und Gelbtöne prägen die Stimmung. Gleichzeitig wirkt das Licht weicher, wodurch harte Kontraste und starke Schatten reduziert werden. Die tief stehende Sonne erzeugt außerdem lange Schatten, die einem Motiv mehr Tiefe und Struktur verleihen.

Was sind Rim Lights?

Besonders reizvoll ist auch das Fotografieren im Gegenlicht: Dabei können leuchtende Konturen, sogenannte Rim Lights, entstehen, die Personen, Pflanzen, Gebäude oder andere Motive deutlich vom Hintergrund abheben. Diese Kombination aus warmen Farben, weichem Licht und langen Schatten macht die Golden Hour für viele unterschiedliche Fotomotive interessant.

Wie fotografiere ich die Golden Hour mit einer Kamera?

Mit einer System- oder Spiegelreflexkamera hast du während der Golden Hour besonders viel Kontrolle über deine Aufnahmen. Fotografiere nach Möglichkeit im RAW-Format, damit möglichst viele Bildinformationen erhalten bleiben und du Belichtung, Farben und Weißabgleich später flexibler bearbeiten kannst. Den ISO-Wert solltest du zunächst möglichst niedrig einstellen, etwa auf ISO 100 oder 200. So vermeidest du unnötiges Bildrauschen und erhältst eine hohe Bildqualität.

Welche Blende und Verschlusszeit sich eignen, hängt vor allem von deinem Motiv ab. Bei Landschaftsaufnahmen sorgt beispielsweise eine kleinere Blendenöffnung für eine größere Schärfentiefe, während eine offene Blende bei Porträts den Hintergrund verschwimmen lässt. Behalte dabei die Verschlusszeit im Auge. Je tiefer die Sonne sinkt, desto weniger Licht steht zur Verfügung und desto länger muss gegebenenfalls belichtet werden. Wird die Verschlusszeit für eine Aufnahme aus der Hand zu lang, kannst du den ISO-Wert erhöhen oder ein Stativ verwenden.

Besonders bei Gegenlicht lohnt es sich außerdem, die Belichtung zu kontrollieren. Mit der Belichtungskorrektur kannst du verhindern, dass helle Bereiche des Himmels ausbrennen oder wichtige Details verloren gehen. Beim Weißabgleich kannst du dich zunächst auf die Automatik verlassen. Möchtest du die warmen Farbtöne der Golden Hour stärker erhalten, kannst du alternativ einen passenden manuellen Weißabgleich wählen.

Tipp

Fertige mehrere Probeaufnahmen an. Diese helfen dir dabei, die Einstellungen an das sich schnell verändernde Licht anzupassen.

Wie fotografiere ich die Golden Hour mit dem Smartphone?

Für schöne Fotos während der Golden Hour brauchst du nicht unbedingt eine professionelle Kamera, selbst wenn diese dabei etwas im Vorteil ist. Aber auch mit dem Smartphone kannst du die besondere Lichtstimmung gut einfangen.

Vorbereitungen

Bevor du loslegst, solltest du zunächst die Kameralinse reinigen, denn gerade bei tief stehender Sonne können Fingerabdrücke und Schmutz störende Lichtreflexionen verursachen. Wähle anschließend dein Motiv und tippe auf dem Display auf den Bereich, auf den du den Fokus legen möchtest.

Tipps

Ist der Himmel auf dem Foto zu hell oder dein Motiv zu dunkel, kannst du die Belichtung bei vielen Smartphones direkt in der Kamera-App anpassen. Bei Gegenlicht lohnt es sich häufig, die Belichtung etwas zu reduzieren, damit die Farben und Strukturen im Himmel erhalten bleiben.

Unterstützt dein Smartphone Aufnahmen im RAW-Format, kannst du dieses ebenfalls nutzen. Dabei bleiben mehr Bildinformationen erhalten, wodurch du bei der späteren Bearbeitung beispielsweise Helligkeit, Schatten und Farben flexibler anpassen kannst.

Verzichte möglichst auf den digitalen Zoom, da dabei die Bildqualität leiden kann. Hat dein Smartphone mehrere Kameras beziehungsweise Objektive, kannst du stattdessen zwischen Weitwinkel, Hauptkamera und Telekamera wechseln.

Auch HDR kann bei großen Helligkeitsunterschieden zwischen Himmel und Motiv hilfreich sein.

Den Nachtmodus solltest du dagegen bewusst einsetzen: Bei schwindendem Licht kann er zwar für hellere Aufnahmen sorgen, gleichzeitig aber auch die natürliche Stimmung der Golden Hour verändern.

Mehrere Personen fotografieren vor orangem Himmel mit dem Smartphone den im Bildhintergrund zu sehenden Sonnenuntergang.

Foto: Sirbouman/Shutterstock

Was kann ich während der Golden Hour fotografieren?

Wenn du während der Goldenen Stunde fotografieren willst, dann eignen sich dafür viele unterschiedliche Motive.

Landschaften

Besonders beliebt sind Landschaftsaufnahmen, da das tief stehende Licht Hügel, Berge, Felder oder Gebäude stärker modelliert und lange Schatten für zusätzliche Tiefe sorgen. Auch bei Architektur kannst du diesen Effekt nutzen, da Fassaden und andere Strukturen durch das seitlich einfallende Licht deutlicher hervortreten.

Porträts

Bei Porträts sorgt das weiche, warme Licht für eine natürliche Lichtstimmung und meist weniger harte Schatten im Gesicht als die hoch stehende Mittagssonne. Interessant sind außerdem Aufnahmen im Gegenlicht, etwa von Personen, Pflanzen, Tieren oder Gebäuden. Dabei können helle Konturen rund um das Motiv entstehen, während sich bei entsprechend gewählter Belichtung auch Silhouetten gestalten lassen.

Kleine Motive

Auch kleinere Motive können während der Golden Hour spannend wirken. Gräser, Blätter, Blumen, Steinmännchen oder andere Details werden durch das seitliche Licht und die langen Schatten hervorgehoben. Du musst die Kamera dabei nicht immer direkt auf die Sonne richten, denn oft entstehen die interessantesten Motive dort, wo das goldene Licht auf deine Umgebung trifft.

Welche weiteren Tipps gibt es für bessere Fotos in der Golden Hour?

Während der kurzen Zeit, in der das warme Licht die Umgebung modelliert, solltest du flexibel bleiben und möglichst viel ausprobieren. Hier sind ein paar gute Tipps:

Vorbereitungen treffen

Da sich das Licht während der Golden Hour schnell verändert, lohnt es sich, schon vor Sonnenaufgang beziehungsweise Sonnenuntergang am gewünschten Ort zu sein. So hast du genügend Zeit, einen passenden Bildausschnitt zu suchen und verschiedene Perspektiven auszuprobieren. Beobachte dabei nicht nur die Sonne selbst, sondern auch, wie das Licht auf deine Umgebung fällt. Oft entstehen besonders interessante Aufnahmen, wenn zum Beispiel Gebäude oder Landschaften seitlich beleuchtet werden.

Vordergrund miteinbeziehen

Nutze auch den Vordergrund bewusst für deine Bildgestaltung. Pflanzen, Wege, Mauern oder andere Elemente können dem Foto zusätzliche Tiefe verleihen und den Blick zum eigentlichen Motiv führen. Ein Wechsel der Perspektive kann ebenfalls viel verändern: Fotografiere beispielsweise aus einer niedrigen Position oder bewege dich einige Meter zur Seite, um Licht und Schatten anders ins Bild zu setzen.

Viel ausprobieren

Bleib während der Golden Hour außerdem in Bewegung und probiere verschiedene Blickrichtungen aus. Innerhalb weniger Minuten können sich Farben, Schatten und Kontraste deutlich verändern. Es lohnt sich daher, ein Motiv mehrmals zu fotografieren, anstatt sich nur auf eine einzige Aufnahme zu verlassen.

Nutze Reflexionen

Halte Ausschau nach Pfützen, Bächen, Fenstern oder nassen Straßen, in denen sich das warme Licht der Golden Hour spiegelt. Solche Reflexionen können die Farben im Bild verstärken und gleichzeitig für zusätzliche Ebenen in deiner Bildkomposition sorgen.

Setze lange Schatten bewusst ein

Die tief stehende Sonne erzeugt besonders lange Schatten, die du gezielt in deine Bildgestaltung einbeziehen kannst. Sie können Linien bilden, den Blick durch das Foto führen oder sogar selbst zum eigentlichen Motiv werden. Achte dabei auch auf deinen eigenen Schatten, damit dieser nicht unbeabsichtigt im Bild landet.

Fotografiere auch nach Sonnenuntergang weiter

Pack deine Kamera oder dein Smartphone nicht gleich ein, sobald die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist. Die Farben am Himmel können sich danach noch deutlich verändern und intensive Rot-, Rosa- oder Violetttöne annehmen. Mit zunehmender Dämmerung geht die Golden Hour schließlich in die Blue Hour über und bietet dir noch einmal eine völlig andere Lichtstimmung.

Alt-Text: Zwei Eulen sind in warmes, goldenes Licht getaucht und sitzen sich auf einem Ast gegenüber.

Foto: Petrpodhajsky/Shutterstock

Was tun, wenn das Foto nicht gelingt?

Auch das besondere Licht der Golden Hour garantiert nicht automatisch ein perfektes und atmosphärisches Foto. Gerade die großen Helligkeitsunterschiede und das sich schnell verändernde Licht können für Probleme sorgen. Oft lassen sich diese aber schon mit kleinen Anpassungen beheben.

Der Himmel ist zu hell

Wirkt der Himmel weiß und sind kaum noch Farben oder Strukturen zu erkennen, ist das Foto wahrscheinlich überbelichtet. Reduziere die Belichtung etwas und orientiere dich dabei an den hellen Bereichen des Bildes. Bei einer Kamera hilft dir auch das Histogramm dabei zu erkennen, ob helle Bildbereiche ausbrennen.

Mein Motiv ist im Gegenlicht zu dunkel

Steht die Sonne hinter deinem Motiv, kann dieses schnell zu dunkel erscheinen. Erhöhe die Belichtung vorsichtig und achte darauf, dass dabei die hellen Bereiche des Himmels nicht ausbrennen. Bei Porträts kann zusätzlich ein Reflektor oder dezentes Aufhelllicht helfen.

Auf dem Foto sind störende Lichtflecken zu sehen

Direktes Sonnenlicht kann sogenannte Lens Flares verursachen, die sich als Lichtflecken oder farbige Kreise im Bild zeigen. Reinige zunächst die Linse beziehungsweise das Objektiv und verändere anschließend leicht deinen Aufnahmewinkel. Manchmal reichen bereits wenige Schritte zur Seite, um störende Reflexionen zu reduzieren.

Die Farben wirken nicht so warm wie in echt

Der automatische Weißabgleich kann versuchen, die warmen Farbtöne der Golden Hour zu neutralisieren. Bei einer Kamera kannst du deshalb einen anderen Weißabgleich wählen. Fotografierst du im RAW-Format, lässt sich die Farbtemperatur auch nachträglich noch flexibel anpassen.

Meine Fotos sind unscharf oder verwackelt

Je näher der Sonnenuntergang rückt, desto weniger Licht steht für deine Aufnahme zur Verfügung. Dadurch können längere Verschlusszeiten notwendig werden, die bei Aufnahmen aus der Hand zu Verwacklungen führen. Verwende bei Bedarf ein Stativ oder erhöhe den ISO-Wert. Beim Smartphone solltest du das Gerät möglichst ruhig halten oder auf einer stabilen Oberfläche abstützen.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Golden Hour

Fazit

Die Golden Hour schafft mit warmem Licht, sanften Rot- und Orangetönen, weichen Kontrasten und langen Schatten ganz besondere Bedingungen für stimmungsvolle Fotos. Dabei ist es ganz egal, ob du mit Smartphone oder Kamera fotografierst. Wenn du das wechselnde Licht bewusst einsetzt, dein Motiv passend wählst und mit Perspektiven, Gegenlicht oder Reflexionen experimentierst, kannst du diese kurze Zeitspanne vielseitig nutzen. Entscheidend sind dabei weniger eine perfekte Ausrüstung oder feste Einstellungen, sondern dass du viel experimentierst und ein gutes Gespür für den richtigen Moment entwickelst.